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Retusche in der Industrie: sinnvoll, sauber, nicht überzogen
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Retusche in der Industrie: sinnvoll, sauber, nicht überzogen
Retusche ist in der Industriefotografie kein Schönheitswettbewerb. Retusche ist Qualitätskontrolle: Störendes raus, Relevantes rein. Und bitte so, dass die Maschine am Ende nicht aussieht wie ein 3D-Modell aus einem Prospekt von 1998.
Hier zeige ich dir, was Retusche in der Industrie sinnvoll löst, wo die Grenze liegt und warum klare Absprachen Geld sparen.
1) Was Retusche in der Industrie leisten soll
- Störstellen entfernen, die vom Produkt ablenken
- Look und Serie vereinheitlichen
- Technik wertig, aber realistisch zeigen
- Sensible Inhalte neutralisieren (wenn vereinbart)
2) Was in der Praxis fast immer retuschiert wird
- Staub, Fingerabdrücke, kleine Schmierer
- Kratzer, die nur durch Licht extrem auffallen
- Lose Kabelbinder, Klebebandreste, kleine Etiketten
- Kleine Unruhe im Hintergrund, wenn sie stört
3) Was Retusche nicht automatisch ist
- Komplette „Neulackierung“ per Photoshop
- Aus Beulen Präzision machen
- Aus Chaos eine sterile Laborwelt zaubern
- Fehlende Wartung wegretuschieren
Warum? Weil das teuer wird und am Ende nicht mehr glaubwürdig ist. Industriekunden merken das sofort, auch wenn sie nicht sagen können warum.
4) Der große Kostentreiber: Einzelkopf-Retusche
Wenn man anfängt, jeden Pixel umzudrehen, wird aus „Bildserie“ schnell „Restaurierungsprojekt“. Das kann sinnvoll sein, aber nur, wenn der Nutzen stimmt.
Faustregel
- Serie für Website und Vertrieb: sauber, aber effizient
- Hero-Motiv für Startseite oder Messe: mehr Aufwand lohnt sich
- Detailaufnahmen mit Edelstahl und Glas: oft gezielter Mehraufwand
5) Retusche und Freigabe: das gehört zusammen
Am besten ist ein klarer Ablauf:
- Auswahl freigeben: „Aufnahme ist gut – bitte belichten“
- Retuscheumfang festlegen: was wird gemacht, was bleibt
- Finale Dateien prüfen: „Foto darf veröffentlicht werden“
Mini-Checkliste: Retusche kurz klären, bevor es teuer wird
- Welche Motive sind Hero-Motive?
- Welche Störstellen sind euch wichtig?
- Wie realistisch soll es bleiben?
- Gibt es sensible Inhalte, die neutralisiert werden müssen?
- Wer gibt final frei?
Typische Fehler
- Retusche wird nicht definiert, Erwartungen knallen später
- Alle Bilder sollen wie Hero-Motive bearbeitet werden
- Zu späte Hinweise auf sensible Inhalte
- Retusche soll Produktionsprobleme „lösen“
5 FAQs – Retusche in der Industrie
FAQ 1: Was ist bei Industriefotos überhaupt "sinnvolle" Retusche?
Alles, was ablenkt, wird reduziert: Staub, kleine Schmierer, Klebebandreste, störende Etiketten, Unruhe im Hintergrund. Ziel ist eine saubere, wertige Darstellung, ohne dass die Maschine künstlich wirkt.
FAQ 2: Was ist der Unterschied zwischen Standard-Retusche und aufwendiger Retusche?
Standard-Retusche ist der saubere Feinschliff für eine Bildserie. Aufwendige Retusche ist „Einzelkopf“: Kratzer, Reflexe, Oberflächen und Details werden deutlich intensiver bearbeitet, meist für Hero-Motive.
FAQ 3: Kann man schlechte Lichtverhältnisse komplett wegretuschieren?
Nur begrenzt. Retusche kann verbessern, aber sie ersetzt keine saubere Lichtsetzung. Je besser das Ausgangsbild, desto schneller, günstiger und ruhiger ist das Ergebnis.
FAQ 4: Wie legen wir fest, wie viel retuschiert werden soll?
Am besten über Prioritäten: Welche Motive sind Hero-Motive (Startseite, Messe) und welche sind Serienmotive (Website, Vertrieb)? Dann definieren wir konkret, was entfernt oder neutralisiert werden soll.
FAQ 5: Warum sollte Retusche mit Freigabe zusammen geplant werden?
Weil es zwei Entscheidungen gibt: Auswahl freigeben („Aufnahme ist gut – bitte belichten“) und Veröffentlichung freigeben („Foto darf veröffentlicht werden“). Retuscheumfang und No-go Inhalte gehören genau dazwischen.
„Für mich ist Industriefotografie kein Stilmittel, sondern Teil technischer Kommunikation – klar, präzise und mit Respekt vor dem, was sie zeigt.“
„Ich fotografiere nicht nur Technik. Ich übersetze sie in Bilder, die verstanden werden, auch ohne ein Wort.“
Bernd vom Hofe
Ich stehe für visuelle Kommunikation, die wirkt. Als Industriefotograf begleite ich seit 1984 Unternehmen aus Industrie, Handwerk und Mittelstand – von Maschinenfotografie bis Webdesign.